Im Winterlager

Die Shiva steht ja nun schon seit dem 24. August im Winterlager, erneut in Bocca di Magra (eigentlich Ameglia resp. Fiumaretta) in der Nähe von La Spezia, wie auch schon vor 3 Jahren. Erfreulicherweise verlief das Auswassern sehr problemlos. Diesmal gelang es auf ausdrücklichen Wunsch, dass der Rumpf so im Lagerbock liegt, dass wir den Kiel vollständig absenken konnten. Allerdings war hierzu noch ein kurzer Einsatz des Winkelschleifers erforderlich, um ein ca. 2x2cm grosses Stück aus einem der querverlaufenden Doppel-T-Träger herauszuschneiden.

In jener Woche rund ums Auswassern galt es in erster Linie alle üblichen Konservierungs-Arbeiten durchzuführen: Waschen aller Leinen, Abschlagen und Waschen der Segel, Oelwechsel und Spülen des Motors, Reinigung und Konservierung des Wassermachers, Konservierung des Aussenborders, Einziehen aller Leinen in den Mast und Abdecken des Cockpits mit einer grossen Plane. Alle der Sonne ausgesetzten Holzteile wurden bei der Gelegenheit angeschliffen und frisch eingeölt. Schliesslich fuhr ich dann Ende September nochmals für eine Woche zur Shiva, um die grössten und wichtigsten Wartungs-Arbeiten voranzubringen.

Die grösste Herausforderung stellt bisher der Generator dar. Nachdem er sich am vorletzten Tag der Atlantik-Passage zu den Azoren nicht mehr starten liess, war ich auf der Suche nach dem Problem. Wir hatten ihn während dieser Saison fast 600h gebraucht, allerdings kämpften wir auch bisher schon mit diversen Ausfällen infolge gebrochener elektrischer Kontakte oder undichtem Kühlkreislauf. Nach diversen vergeblichen Interventionen blieb als letzte Option der Ausbau und Transport in eine Werkstätte. Keine triviale Angelegenheit, bei ca 180kg Gewicht und einer Breite, die nicht durch die Tür der Vorschiffskoje passt. Aber schliesslich gelang dies doch ohne bedeutenden weiteren Schaden. Erst hoben wir das ganze Aggregat mit einem Fall auf die Koje heraus. Anschliessend wurden zumindest Wärmetauscher und Starter ausgebaut, um Gewicht und Volumen zu reduzierenen. Die Mechaniker der Vertretung von Northern Lights in Italien waren nicht in der Lage, den Dieselmotor vom Generator zu trennen, eigentlich irritierend! Also musste ein immer noch ca. 120kg schwerer Klotz von Hand durch die Tür der Vorschiffkoje bis in den Salon geschleppt werden. Von dort ging es dann wieder mit einem Fall den Niedergang hinauf bis ins Cockpit und schliesslich über Bord.

Eine Inspektion des Dieselmotors in der Werkstatt ergab ein trauriges Bild: Zylinderkopf wie Kolben sind infolge Korrosion angefressen, die O-Ringe gebrochen (und daher entstand auch keine Kompression mehr in den drei Zylindern). Aus noch nicht abschliessend geklärter Ursache muss Meerwasser über den Auspuff in den Motorblock eingedrungen sein und dort diese Korrosion verursacht haben. So bleibt uns nichts anderes übrig, als einen neuen Generator anzuschaffen, obwohl der alte nur gerade knapp 2500 Betriebs-h aufweist! Das Abenteuer geht hier noch weiter, denn schliesslich muss der neue Generator dann erst wieder auf diesem Weg zurück in die Vorschiffskoje finden… Voraussichtlich nehmen wir dies aber erst in Angriff, wenn die Shiva wieder im Wasser liegt.

Das nächste Problem war der Hubkiel, eine 500kg schwere Stahlplatte, die galvanisch vollständig vom Alurumpf getrennt ist. Diese sah mit zahlreichen Rostflecken und Korrosionslöchern ziemlich trist aus. Da die Shiva im Winterlager meist so auf einem Bock stand, dass der Kiel nicht abgesenkt werden konnte, wurde diesem bisher viel zu wenig Beachtung geschenkt. Eine Nachfrage bei der Werft Alubat ergab, dass neuerdings empfohlen wird, am Hubkiel eben doch eine Zinkanode anzubringen. Nun, ich schliff den ganzen Kiel bis auf den blanken Stahl hinunter, trug eine neue Grundierung auf und spachtelte die Löcher mit Epoxy glatt. Im selben Arbeitsgang habe ich dann auch die Ruderblätter und die Kielflosse beim Propeller, sowie die Abdeckung des Bugstrahlruders abgeschliffen und deren Grundierung neu aufgebaut. Nun sind die exponiertesten Stellen am Rumpf  soweit vorbereitet, dass wir nächsten Frühling nur noch das Anti-Fouling auftragen müssen.

Die übrigen Arbeiten waren im Gegensatz zu obigen beiden eigentlich nur noch Kleinigkeiten (wenn auch nicht immer kostengünstig). Wir mussten die Bimini auf dem Achterschiff erneuern, da der alte Stoff nun der Auflösung recht nahe kam. Bei der Gelegenheit gab es auch ein neues Sitzkissen fürs Cockpit. Der Laderegler der Solaranlage musste ersetzt werden, weil durchgeschmort. Ebenso musste ein neuer VHF-Splitter für’s AIS eingebaut werden, weil offenbar bei einem Gewitter resp. statischer Entladung der alte seinen Geist aufgegeben hatte und unser AIS damit nicht mehr zuverlässig sendete. Zudem musste am Bugstrahlruder einer der Propeller und dessen Halterung ersetzt werden, offenbar hatten wir da mal etwas Robustes erwischt. Der Plotter im Cockpit, der sich nicht mehr via Touch-Screen bedienen liess, wurde zu unserer Erleichterung noch auf Garantie repariert. Schliesslich ersetzte ich auch noch die Dichtungen der beiden Backskisten, sodass bei Regen kein Wasser mehr eindringen sollte. Endlich gelang es mir auch ein kleine Undichtigkeit im Deck zu lokalisieren und abzudichten, die dazu führte dass etwas Wasser direkt oberhalb des Navitischs eindringen konnte. Offenbar war eines der Schraublöcher der Leitschiene der Schoten undicht geworden (… so wie früher während der Fahrt bereits schon bei einer Klampe und bei einer Umlenkrolle Schrauben neu festgezogen werden mussten, nachdem Wasser eindrang).

So kommen wir denn wieder langsam in die Situation, dass die Shiva für nächste Saison (und hoffentlich zahlreiche weitere) wieder in gutem Zustand bereit sein wird. Hierzu muss bis nächsten Frühling nun der neue Generator noch beschafft und eingebaut werden, sowie das Unterwasser frisch gestrichen werden. Dank einem anderen Produkt von Seajet, das speziell für Alu-Schiffe geeignet sein soll, erhoffe ich mir eine bessere und dauerhaftere Wirkung zu erzielen. Laut Herstellerangaben sollte so eine Erneuerung des Anstrichs nur noch alle 2 Jahre erforderlich werden. Mal sehen. Bis zum Juni 2020 bleibt die Shiva nun vorerst mal an Land stehen, bevor es dann zu einer voraussichtlich kurzen Saison 2020 wieder ins Wasser geht.

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Eine Antwort zu Im Winterlager

  1. Jens Jansen schreibt:

    Hallo Hans-Peter,
    Ihr habt ja ganz schön viel zu tun gehabt! Ich hoffe Ihr findet einen wunderschönen, leichten und leisen Generator für die Shiva.
    Hast Du daran gedacht, dass die Schaftdichtung der Ruderblätter alle paar Jahre gewechselt werden muss. Dazu muss man die Ruderblätter mit der Achse nach unten herauslassen können. Dies ist bei dem ungewöhnlich hohem Lagerbock möglich. Es müssen nur die großen Haltemuttern gelöst werden, um die Ruderblätter ablassen zu können. Die Abdichtung besteht aus je zwei Simmeringen auf den 90 mm Ruderwellen. Bei uns hatte man diese Simmeringen zwar getauscht, aber nicht darauf geachtet, dass der Federring der Simmeringe gegen Federringe aus Edelstahl getauscht werden muss. Das heißt man muss die passenden Simmeringe kaufen und sich zusätzlich passende Edelstahlfederringe geben lassen. Dies ist notwendig, da die Federringseite der Simmeringe nach unten (Salzwasser) zeigen muss (abdichtende Seite).
    Eigentlich eine einfache und nicht so kostenintensive Arbeit.
    Wir wünschen Euch eine frohe Advents- und Weihnachtszeit und
    allzeit fair winds
    Dörte & Jens

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